Dr. Mariahadessa Ekere Tallie ist eine amerikanische Künstlerin, Dichterin und Wissenschaftlerin. Im Interview erzählt sie uns von ihrer Zeit in Namibia, wie ihr Notizbuch ihr Klarheit verschafft, und verrät ihre Empfehlungen, um ein eigenes Buch verlegt zu bekommen.

Wo bist du aufgewachsen und wo hast du seitdem gelebt?
Ich bin New Yorkerin. Aufgewachsen bin ich in Queens und ging in Manhattan zur Schule. Dann bin ich fürs Studium in den Süden gezogen, für meinen nächsten Abschluss nach Kalifornien und zog von dort wieder weg, als ich mich in meinen Ehemann verliebte.
Er lebte in Amsterdam, also verbrachten wir eine Zeit in den Niederlanden, dann eine Weile in Namibia, dann in Belgien und zogen schließlich zurück nach New York. Vor sieben Jahren ging es dann nach Providence in Rhode Island, damit ich zur dortigen Brown University gehen konnte. Das ist jetzt die längste Zeit, die ich außerhalb von New York verbracht habe.
Fehlt dir New York?
Immer. Aber Providence ist wirklich hübsch und wir haben hier einen tollen Zusammenhalt. Es ist ein gemütlicher Ort, an dem man vieles ausprobieren und unternehmen kann. Kreative Dinge, die ich so in New York nicht gemacht habe. Ich vermisse New York andauernd, aber ich finde mich hier zurecht. Außerdem haben wir echt schöne Strände, was auch noch ein Bonus ist. Es ist wunderbar, am Strand zu sein, zu schreiben, sich zu entspannen und einfach zu existieren.

Du bist Künstlerin, Wissenschaftlerin, Dichterin und Autorin. Hast du eine Lieblingsdisziplin?
Das ist eine schwere Frage. Schon ziemlich früh – mit 16 Jahren – entschied ich, dass ich Autorin werden wollte. Und ich betrachtete mich als Autorin. Aber dann fand ich mich in meinen Zwanzigern plötzlich in der Dichter-Community wieder.
Ich denke gerne an James Baldwins Definition: Ob man Dichterin oder Dichter ist, hat nichts damit zu tun, was man zu Papier bringt, sondern damit, wie man das Leben angeht. Egal, ob ich eine Kunstausstellung kuratiere, über Kräuter schreibe oder wissenschaftlicher Forschung nachgehe: Ich fühle mich wie eine Person, die von außen in die Seele einer Sache schaut. Eine Dichterin zu sein, heißt, präsent zu sein. Also drehen sich all die Bereiche, in denen ich arbeite, um die Seite der Dichterin in mir.
Du hast fünf Bücher geschrieben und gerade dein neuestes Kinderbuch veröffentlicht: We Go Slow. Erzähl uns mehr darüber.
Das Buch ist eine Zusammenarbeit zwischen mir und dem Illustrator Aaron Becker. Es ist eine Geschichte darüber, das Leben ohne Eile und mit offenem Herzen zu leben. Ich habe drei Töchter und als meine 18-Jährige das Manuskript gelesen hatte, sagte sie sofort: „Oh, das ist ja unser Leben!“. Das hatte ich so gar nicht geplant und es war mir wirklich nicht bewusst, aber sie erkannte gleich all die kleinen Teile unserer Geschichte, die sich im Buch wiederfanden.
We Go Slow folgt auf mein vorheriges Kinderbuch Layla's Happiness, das mehrere Preise gewonnen hat, inklusive dem Ezra Jack Keats Award. Es wurde außerdem 2021 zum „Rhode Island Great Read“ und 2019 zum „Brain Picking Best Book“ gewählt und ist dreifacher Bestseller der AALBC (African American Literature Book Club). All diese Aufmerksamkeit fühlte sich verrückt an, nachdem ich mir so lange wie eine anonyme Dichterin vorgekommen war.

Wie integrierst du deine Notizbücher in Beruf und Privatleben?
Ich habe kistenweise Notizbücher! Ich schreibe Tagebuch, seit ich 12 bin. Seit einigen Jahren nutze ich jetzt paper republic. Die Notizbücher helfen mir, einen klaren Kopf zu bewahren.
Und ich meine das ganz ernst. Ich schreibe ein paar Mal pro Woche in mein Notizbuch, im besten Fall jeden Tag. So sorge ich für klaren Durchblick, besonders in Zeiten der Veränderung. Ich habe in den letzten Jahren viele herausfordernde Veränderungen durchlebt und meine Notizbücher haben mir geholfen, mir über meine Situation klar zu werden oder zumindest Fragen zu erkunden.
Ich schreibe einfach über alles, was passiert und mir im Kopf herumgeht. Es ist also ein sehr persönliches Tool. Ich komme immer wieder auf „Klarheit“, weil ich die eben ohne mein Notizbuch nicht erlangen kann. Es hilft natürlich auch, mit Freunden zu sprechen, aber mein Notizbuch ist sozusagen der erste Freund, mit dem ich die Dinge bespreche.

Gibt es etwas Bestimmtes, das dir an den Notizbüchern von paper republic gefällt?
Zuallererst einfach die Qualität. Sie sind so schön – die Haptik, die Farben, ich liebe es, sie in den Händen zu halten. Und ich beobachte gerne, wie das Leder sich verändert. Die Kratzer und kleinen Makel machen es interessant.
Was ich auch gut finde, sind meine Initialen auf dem Cover. Und die Auswahl an Papier-Refills. Ich hasse linierte Notizbücher. Finde ich wirklich schrecklich, deshalb ist es toll, dass ich mir Blanko-Notizbücher besorgen kann. Mir gefällt außerdem sehr, wie die book refills gebunden sind, die sehen so schön aus. Ich mag die Buchkunst und Dinge, die auf eine bestimmte Art angefertigt werden. Es erinnert mich an die traditionelle Buchbindung.
Außerdem liebe ich das Gefühl, zur Community von paper republic zu gehören, weil es sich so real anfühlt. Ich lese gerne die Geschichten anderer Menschen, wie das Interview mit der Künstlerin Zhanina. Das war sehr interessant. So schön realistisch und echt. All diese Leute machen so viele coole Dinge mit ihrer Kunst und ihren Texten. Es ist faszinierend, mehr darüber zu erfahren.

Du hast in einem früheren Interview erwähnt, dass dir Ideen für deine kreativen Schreibprojekte meistens kommen, wenn du in dein Notizbuch schreibst. Hast du eine Ahnung, warum das so ist?
Die Neurowissenschaft lehrt uns, dass während des Schreibens etwas ganz anderes passiert als während des Tippens. Irgendein Aspekt des händischen Schreibens reißt innere Barrieren nieder. Man hat seinen Tisch freigeräumt und dann ist da ein leeres Blatt Papier und ein Stift in der Hand und plötzlich (oder langsam) können kreative Ideen fließen.
Du bist Amerikanerin, hast aber auch in Europa und Afrika gelebt. Was sind die größten Unterschiede zwischen den USA und Afrika, die dir aufgefallen sind?
Ich arbeitete in Namibia als Lehrerin an einer Universität direkt an der Grenze zu Angola. Der größte Unterschied war wohl das Empfinden von Zeit. In Namibia war deine Zeit nicht so eng getaktet. Als ich gerade angekommen war, fragte ich meinen neuen Abteilungsleiter sofort:
„Was unterrichten wir? Wie ist der Plan?“
Und er sagte zu mir und einer anderen Person aus dem Kollegium: „Lasst uns erst mal rausgehen.“
„Aber wann bekommen wir unseren Zeitplan?“, erwiderte ich.
„Ihr bekommt einen, aber erst mal gehen wir jetzt los.“
Also gingen wir aus und hatten Spaß. Er wollte uns die Kultur des Orts zeigen. Das war wichtig! Natürlich bekamen wir irgendwann unsere Pläne. Und fanden auch heraus, was wir dort tun sollten. Aber ich war so fixiert darauf, wie wir die Dinge in den USA machen. Nämlich: Wir müssen alles wissen, und zwar sofort!
Ich lernte also viel über Zeit und Raum und darüber, ein Leben ohne Ablenkungen zu führen. Sich nicht hetzen, nicht sorgen. Es gab dort einfach eine Art zu existieren, präsent zu sein und dazuzugehören oder nicht dazuzugehören, die mich fasziniert hat.
Die Leute fragten mich immer wieder, von welchem Teil des Kontinents ich kam. Das Leben ohne Rassismus war mir komplett neu. Es war total befreiend, sich darum keine Gedanken machen zu müssen.
Eine andere Sache, die mir an Namibia auffiel, war, dass die Menschen wirklich viel Wert auf Bildung legen. Wenn die Leute ins Klassenzimmer kamen, waren sie voll aufs Lernen fokussiert. Es wurde nicht rumgealbert. Die Leute wollten lernen. Die Lehrpersonen und Bildung wurden wirklich respektiert. Ich liebe und vermisse diesen Aspekt an Namibia.

Letzte Frage: Viele Leute möchten gerne ein Kinderbuch schreiben, aber nur wenige bekommen tatsächlich eins verlegt. Welche Tipps hast du für angehende Kinderbuchautorinnen und -autoren?
Ich bin an das alles aus rein einer künstlerischen Perspektive herangegangen. Vom Geschäftlichen des Buchverlags hatte ich keine Ahnung. Ich dachte, ich könne einfach mein Buch schreiben und dann würde mich jemand bei einer Lesung entdecken und mir einen Vertrag anbieten.
Mein Rat ist also, sich mit den geschäftlichen Seiten des Verlagswesens zu beschäftigen. Geh auf Organisationen zu, die dir helfen können, wie die Authors' Guild oder die Society of Children's Book Writers and Illustrators oder Kweli. Solche Organisationen veranstalten Workshops, manchmal zum Schreibhandwerk, manchmal zu Business-Themen. Dort kannst du auch Agenten oder Lektorinnen kennenlernen.
Die andere wichtige Sache ist, hartnäckig zu sein und eine echte Vision zu haben. Mir ist vieles auch nicht gelungen. Es hat Jahre gedauert, bis ich mein erstes Kinderbuch verlegt bekommen habe, und meine Gedichte wurden so oft abgelehnt. Seine eigene Arbeit zu veröffentlichen, bedeutet jede Menge Arbeit. Man muss also dranbleiben, was schwer sein kann, wenn man so viel Ablehnung erfährt. Es kann ein langer, steiniger Weg werden. Aber man sollte nicht aufgeben.
Das neueste Buch von Dr. Mariahadessa Ekere Tallie’s – We Go Slow – ist jetzt auf Englisch erhältlich. Mehr über Ihre Arbeit erfährst du unter EkereTallie.com.
Fotos © Sindayiganza Photography