Als ich die Wicklow Mountains zum ersten Mal sah, war ich achtzehn.

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment, als sich diese Hügel, die über und über mit Heidekraut bewachsen waren, sanft vor mir ausbreiteten. Zwischen dem Violett der Blüten blitzten tausende verschiedene Grüntöne hervor – ich wusste gar nicht, dass es diese Farbe in so vielen verschiedenen Schattierungen gab. Das Gras war von einem so satten, intensiven Grün, dass es fast unwirklich aussah. Ich stand dort gefühlt stundenlang und ließ diese atemberaubende Landschaft auf mich wirken.

Jahre später fanden diese Farben ihren Weg in unsere neue Sonderedition.

 

 

Dúchas ist ein irisches Wort, für das es keine perfekte Übersetzung gibt. Es steht für kulturelles Erbe, Zugehörigkeit und eine tiefe Verbindung zur Heimat. Für die Geschichten, die uns unbewusst prägen. Die zwei limitierten Farben dieser Sonderedition, Farngrün und Heideviolett, verkörpern dieses Konzept perfekt. Sie sind nun für all unsere Lederbegleiter erhältlich, vom grand voyageur über le portfolio und le trifold bis hin zu le loop. Das Leder wurde in einem kleinen Dorf in Italien von Hand mit Stein poliert und anschließend in unserem Wiener Atelier mit viel Sorgfalt weiterverarbeitet. Mit der Zeit entwickelt es eine natürliche Patina und gewinnt an Farbintensität – genauso wie unsere Erinnerungen und Geschichten, die mit den Jahren immer bedeutungsvoller werden.

 

 

Geschichten haben immer ein Zuhause

Und in Irland ist man sich dessen besonders bewusst. Denn dort haben Orte eine besondere Bedeutung. Sie tragen die Geschichten in sich, die man sich dort erzählt hat – jene, die für immer im Gedächtnis bleiben und jene, die man sich schon so oft erzählt hat, das sie mittlerweile eine völlig andere Bedeutung haben.

In der O’Connell Street in Dublin hängt seit über hundert Jahren eine Uhr über dem Eingang des Kaufhauses Clerys. Früher, bevor wir alle ein Smartphone hatten, war das ein beliebter Treffpunkt. Statt jede Verabredung im Voraus zu planen, ging man einfach zu Clery’s Clock und schaute, wer sonst noch so da war. Paul, der in Dublin aufgewachsen ist und jetzt bei uns in Wien arbeitet, erzählt mir, dass seine Mutter sich dort jeden Samstag um drei mit ihren Freundinnen traf. Das war in den 1980er-Jahren, als sie in einer Bank arbeitete. Im Laufe der Zeit wechselte das Kaufhaus den Besitzer, wurde geschlossen, renoviert und wieder neu eröffnet. Heute bleibt Pauls Mutter mit ihren Freundinnen über einen Gruppenchat in Kontakt, der Cleary’s Clock heißt. In Irland leben die Orte eben auch dann, wenn sie sich verändert haben, in der Erinnerung weiter.

 

 

Irland ist ein Land, das Geschichten bewahrt.

Auf der Landzunge von Howth, nördlich von Dublin, verläuft ein von Heidekraut gesäumter Weg am Rande der Klippen entlang. Wenn man hinabschaut, blickt man auf das Wasser, das je nach Lichteinfall zwischen Jadegrün und fast Schwarz changiert. Fast hat man das Gefühl, in der Luft zu schweben, eingefangen zwischen Land und Wasser. Ein Gefühl der Geborgenheit breitet sich in einem aus – ein Gefühl, das man nur an den Orten empfindet, die schon seit Jahrhunderten ihre Geschichten in sich tragen. Genau hier haben wir unsere Notizbücher fotografiert. Das Farngrün und das Heideviolett, die diese Sonderedition inspirierten, warteten dort bereits auf uns.


Wir alle tragen Geschichten in uns

Mit zwanzig kehrte ich nach Irland zurück und verbrachte ein Jahr in Galway. Ich hatte mich für einen Kurs in kreativem Schreiben eingeschrieben, und wie sich herausstellte, steckt dieses Land voller Geschichten. Du musst nicht erst nach ihnen suchen. Sie finden ihren Weg ganz von selbst zu dir.

Ein Straßenmusiker, der sein Lied unterbricht, um dir zu erzählen, wo er es gelernt hat. Ein Fischer in Salthill, der wissen will, woher du kommst, und dich erst nach einem ausführlichen Gespräch wieder gehen lässt. Fremde in einem Pub, die dich ansprechen und dir ihre gesamte Familiengeschichte erzählen.

Lena aus unserem Lederproduktionsteam stammt ursprünglich aus Polen, ist aber in der Grafschaft Clare aufgewachsen. Sie erklärt uns, dass in Irland selbst ein einfaches Hello eine tiefere Bedeutung hat. Es fragt zugleich: „Wie geht es dir?“ oder „Wie läuft es so?“ „Alles wird zum Aufhänger für eine Geschichte, eine Begegnung, ein Gespräch.“

Auch Paul kennt diese irische Eigenart nur zu gut. Seine Mutter stammt aus Donegal im Nordwesten Irlands. „Dort kann man sich stundenlang über Gott uns die Welt unterhalten“, erklärt er. „In Irland weiß man eben, wie man gute Geschichten erzählt. Wenn man in Donegal in die Kirche geht, dauert das über eine Stunde. Die Leute lieben es einfach, Geschichten zu erzählen.“

Markas aus unserem Produktionsteam, der im Alter von etwa fünf Jahren nach Irland zog und dort mehr als zwanzig Jahre verbrachte, sieht das genauso. Für ihn lebt das Geschichtenerzählen in der alltäglichen Neugierde der Menschen. Etwa darin, jemandem nach seinem Wochenende zu fragen und aufrichtig interessiert an seiner Antwort zu sein. Am besten ist es, wenn man sein Gegenüber dabei zum Lachen bringt. „Wenn man jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubert, ist das unbezahlbar. Sich mit Menschen zu unterhalten und ihnen etwas zu erzählen … Das ist wichtig, denn es bringt uns einander näher.“

 

 

Während des Winters, den ich in Galway verbrachte, fegte ein Orkan über die Westküste hinweg und wir saßen tagelang zu Hause fest. Das Internet fiel aus, und da ich einen Kamin hatte, saßen meine irischen housemates und ich darum herum und erzählten uns Geschichten. Das geschah ganz natürlich und spontan. Einfach, weil wir Menschen das schon seit jeher tun, wenn das Wetter uns zwingt, zu Hause zu bleiben. Dann bleibt uns nur noch die Gesellschaft anderer.

Dafür, dass Irland eine kleine Insel am westlichen Rande Europas ist, hat sie der Welt eine unverhältnismäßig große Zahl bedeutsamer Stimmen geschenkt. Dazu gehören etwa James Joyce, Oscar Wilde, Samuel Beckett, William Butler Yeats und Edna O’Brien. Oder, um ein aktuelleres Beispiel zu nennen, die Autorin Sally Rooney, die das Innenleben einer ganzen Generation mit scharfsinniger Präzision abbildet. Schauspielerinnen und Schauspieler wie Paul Mescal, Barry Keoghan, Saoirse Ronan und Jessie Buckley bringen unverfälschte Emotionen auf die Leinwand. Und Bands wie Fontaines D.C., The Murder Capital, Gilla Band und Kneecap finden immer wieder neue Wege, die Emotionen zum Ausdruck zu bringen, die wir schon seit Generationen fühlen. Lena fasst das so in Worte: „Man ist von Menschen umgeben, die unglaublich gut im Geschichtenerzählen sind. Irgendwann weiß man einfach, dass das ihre Art ist, zu kommunizieren – beeinflusst von der Erzähltradition ihrer Heimat.“ 

 

 

Notizbücher geben deinen Geschichten ein Zuhause

Orte tragen Geschichten in sich. Gegenstände auch. Lena, die ihre Gedanken und Erinnerungen regelmäßig in einem Tagebuch festhält, beschreibt das so: „Die Fotos in unserer Smartphone-Galerie sehen wahrscheinlich alle sehr ähnlich aus. Doch dein Tagebuch ist etwas, das dir ganz allein gehört. Die Geschichten, die es bewahrt, sind einzigartig und zutiefst persönlich.“ Genau dafür sind die Notizbücher der Dúchas Edition gedacht: Sie sollen nicht nur Informationen festhalten, sondern sind ein Ort, an dem deine Geschichten Gestalt annehmen können – in deiner unverwechselbaren Handschrift und in deinem eigenen Tempo.

Die Sonderedition ist ab sofort in den Farben Farngrün und Heideviolett erhältlich.

Und du darfst dich auf eine kleine Überraschung in deiner Bestellung freuen: einen filigranen Lederanhänger, inspiriert von den Wildblumen Irlands. Jeder einzelne von ihnen wurde von Hand aus den Lederresten vergangener Sondereditionen gefertigt. So wird die Geschichte von Materialien, die ohnehin schon voller Erinnerungen stecken, noch ein wenig weiter erzählt.  Da die Anhänger aus übrig gebliebenen Lederstücken gefertigt werden, sind sie nur in limitierter Anzahl erhältlich.

Manche Geschichten beginnen mit einem Ort. Deine beginnt hier.

 

Artikel von Ludovica

×